Paperback, 288 pages
German language
Published Dec. 31, 2004 by Bertelsmann-Taschenbuch-Verlag.
Paperback, 288 pages
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Published Dec. 31, 2004 by Bertelsmann-Taschenbuch-Verlag.
Rosemarie ist 12 Jahre alt und liebt ihre langen braunen Haare. Sie hat nämlich eine Ewigkeit warten müssen, bis ihre Haare lang genug für Zöpfe waren. Und eines Tages müssen sie ab – ihre geliebten Zöpfe! Rosemarie Brenner wohnt mit ihren Eltern und ihrer Großmutter in Amsterdam. Aus geschäftlichen Gründen sind Rosemaries Eltern lange vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Holland gezogen. Hier fühlt sie sich wohl, hat in Anneke eine beste Freundin gefunden und die neue Sprache schnell gelernt. Als dann Deutschland ohne Vorwarnung im Mai 1940 in die Niederlande einmarschiert, beginnt für sie und ihre Familie ein langer Leidensweg. Rosie wird sich klar darüber, was es bedeutet, Jüdin zu sein. Sie sieht es als eine Facette ihrer selbst, „wie man sie als Kind selbstverständlich lernt und hinnimmt“ (S. 19). Der Alltag der Familie ändert sich drastisch, Hamsterkäufe werden getätigt, vor Luftangriffen flüchten sie sich in den Keller, …
Rosemarie ist 12 Jahre alt und liebt ihre langen braunen Haare. Sie hat nämlich eine Ewigkeit warten müssen, bis ihre Haare lang genug für Zöpfe waren. Und eines Tages müssen sie ab – ihre geliebten Zöpfe! Rosemarie Brenner wohnt mit ihren Eltern und ihrer Großmutter in Amsterdam. Aus geschäftlichen Gründen sind Rosemaries Eltern lange vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Holland gezogen. Hier fühlt sie sich wohl, hat in Anneke eine beste Freundin gefunden und die neue Sprache schnell gelernt. Als dann Deutschland ohne Vorwarnung im Mai 1940 in die Niederlande einmarschiert, beginnt für sie und ihre Familie ein langer Leidensweg. Rosie wird sich klar darüber, was es bedeutet, Jüdin zu sein. Sie sieht es als eine Facette ihrer selbst, „wie man sie als Kind selbstverständlich lernt und hinnimmt“ (S. 19). Der Alltag der Familie ändert sich drastisch, Hamsterkäufe werden getätigt, vor Luftangriffen flüchten sie sich in den Keller, jeder Jude muss ein „J“ für Jude in seinem Ausweis haben und einen Davidstern auf seiner Kleidung tragen, Ausgangssperren treten in Kraf , ihr Vater verliert seinen Arbeitsplatz – ein Leben in einem besetzen Land. Nach einiger Zeit darf Rosemarie auch nicht mehr in die „richtige“ Schule, für jüdische Kinder muss eine Behelfsschule in einem Privathaus reichen. Dann müssen sie zu guter Letzt ihr Haus verlassen und kommen bei Frau Dubois unter, die in der holländischen Widerstandsbewegung tätig ist und sie vor Razzien warnt, wenn die Deutschen wahllos Leute festhalten, schikanieren und sie zum Teil auch nach Polen schicken. Aber irgendwann trifft es auch Rosies Familie: Sie werden abgeholt und ins Lager nach Westerbork an der deutschen Grenze gebracht. Ein Rucksack mit den nötigsten Habseligkeiten darf sie mitnehmen, ihre langen Haare nicht, weil „ein kurzer Bubikopf […] pflegeleichter sei“ (S. 80). Im Lager beginnt eine zweijährige quälende Wartezeit auf den jederzeit drohenden Weitertransport nach Polen. Für Rosemarie eine Achterbahn der Gefühle – zunächst versucht sie noch, sich an die neue Umgebung anzupassen, aber sie vermisst ihre alten Freunde und ihre Großmutter. Ihre Eltern erhalten sogenannte Funktionen im Lager wie „Barackenälteste“, sodass ein Aufschub des Weitertransports erwirkt wird, aber dennoch ist dieser Aufschub nicht amtlich. Rosemarie übernimmt Botendienste, schließt sich einer Gruppe von jungen Juden an, die ihr die Bedeutung des Zionismus nahebringen – nur kann sie die Erfahrungen, die sie an den „Transporttagen“ macht, nicht ausblenden, irgendwann stumpft sie ab. Doch eines Tages erhält die Familie Reisepässe für Südamerika. Sie kommen in ein weiteres Lager – Bergen-Belsen – und warten dort auf einen Austausch gegen Deutsche aus Lateinamerika. Das von der SS geführte Lager verlangt alles von der Familie ab, der ersehnte Austausch rückt in weite Ferne, doch dann ist es soweit: Über die Schweiz wird der Austausch organisiert, aber dann stellt sich heraus, dass es zu wenige Deutsche für den Austausch gibt und ihre letzte Hoffnung erlischt: Die Familie wird in ein weiteres Lager gebracht – Biberach – , wo das qualvolle Warten auf das Ende des Krieges mit der Befreiung durch die Franzosen kurz vor Kriegsende 1945 ein Ende hat. Staatenlos, aber überglücklich über ihre Freiheit, kann Rosemarie sogar wieder lächeln, denn ihre Haare sind inzwischen wieder ein wenig länger geworden.
(Quelle: #lesen.bayern)