Reviews and Comments

Wolf

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Joined 1 year, 5 months ago

Bochumer mit Interesse an Soziologie, SciFi, Politik Mastodon

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Parable of the Talents (2001, Women's Press Ltd,The) 4 stars

Environmental devastation and economic chaos have turned America into a land of depravity. Taking advantage …

Warum eigentlich Religion?

4 stars

Ihre Fortsetzung des grandiosen Parable of the Sowers widmet Butler vorrangig der Earthseed-Religion, die ihre Hauptfigur Lauren Olamina gewissermaßen stiftet und der sie zur Verbreitung verhilft. Gekleidet wird das in eine tragische, oft schmerzhafte Geschichte aus Verlust und Niederlage, die über alle Maßen gelungen ist.

Allein, die vielen über das Buch verteilten Earthseed-Verse sind wirklich alle außerordentlich naiv und schlicht. Auch vermag die Idee einer „rationalen Religion“, die die Menschheit zu ihrer Destiny among the stars führt, ihre Abwegigkeit nicht abzuschütteln.

Warum eigentlich Religion? Weil nur sie die nötige Langlebigkeit an den Tag legt, um entsprechend langfristige Ziele zu verfolgen, lässt Butler ihre Olamina sagen. Das klingt plausibel: Weltreligionen wie Katholizismus, Islam und Buddhismus sind vor allem alt und über ihr langes Leben hinweg nahezu unbewegt. Aber sie verfolgen auch alle keine realweltlichen Ziele oder Zwecke. Geht es darum, so sind gerade die Systeme überlegen, die sich vermeintlich kurzfristigen Horizonten …

This Is How You Lose the Time War (Hardcover, 2019, Simon and Schuster) 4 stars

Two time-traveling agents from warring futures, working their way through the past, begin to exchange …

Briefroman? Nicht mein Format

2 stars

Zwei Agenten verfeindeter Fraktionen in einem temporalen Krieg beginnen einen heimlichen Briefwechsel und verlieben sich ineinander. Die Novelle wurde mit Preisen überhäuft, erhält exzellente Bewertungen, eine Verfilmung soll in der Mache sein, allein … ich fand sie sterbenslangweilig.

Zu poetisch ist die Prosa, zu vage sind die Figuren gezeichnet, zu monoton die Abfolge von Brief auf Brief, als dass mich diese Geschichte in irgendeiner Weise mitgenommen hätte. Was schade ist, denn konzeptionell ist das alles ganz hervorragend.

This Is How You Lose the Time War (Hardcover, 2019, Simon and Schuster) 4 stars

Two time-traveling agents from warring futures, working their way through the past, begin to exchange …

Zwei Agenten verfeindeter Fraktionen in einem temporalen Krieg beginnen einen heimlichen Briefwechsel und verlieben sich ineinander. Die Novelle wurde mit Preisen überhäuft, erhält exzellente Bewertungen, eine Verfilmung soll in der Mache sein, allein … ich fand sie sterbenslangweilig.

Zu poetisch ist die Prosa, zu vage sind die Figuren gezeichnet, zu monoton die Abfolge von Brief auf Brief, als dass mich diese Geschichte in irgendeiner Weise mitgenommen hätte. Was schade ist, denn konzeptionell ist das alles ganz hervorragend.

A Desolation Called Peace (Hardcover, 2021, Tor) 5 stars

An alien armada lurks on the edges of Teixcalaanli space. No one can communicate with …

Schlechter als der Vorgänger

2 stars

Die Fortsetzung von A Memory Called Empire und leider nicht so gut. Zuviel Prosa in einer sich eher im Schneckentempo fortbewegenden Story, auch das eindrucksvolle Worldbuilding des ersten Bandes wird hier eher stiefmütterlich behandelt, zuviele Entscheidungen des Imperiums Teixcalaan wirken erstaunlich abwegig – um nicht zu sagen: dumm.

Es bewahrheitet sich also, was Mehrteiler und Serien in der Fantastik allzuoft ausmacht: abnehmende Qualität. Daher besinne ich mich auf meinen Vorsatz zurück, nur noch in sich geschlossene Bücher des Genres zu lesen. Ausnahme natürlich: Die Culture.

Rosebud (Paperback, 2022, Tordotcom) 3 stars

Kurz und seltsam

3 stars

Nun, das war seltsam. Aber immerhin kurz. Die digitale Crew eines milimetergroßen Raumschiffs stößt auf ein Big Dumb Object in Form einer schwarzen Kugel, das in durchaus interessanter Weise Zeit manipulieren kann. Konfus, aber auch unterhaltsam.

lieber richtige Politikwissenschaftler

2 stars

So wohltuend ich Przeworskis Krisen der Demokratie fand, so einen eher schalen Nachgeschmack hinterlässt Das Ende des Endes der Geschichte dieser drei Autoren. Die Prämisse ist ja interessant: Das Ende der Geschichte, wie es von Francis Fukuyama 1989 postuliert wurde, bedeutete den Sieg der liberalen Demokratie nebst Kapitalismus als der letztgültigen Ordnungsform von Gesellschaft. Diese Phase sei mit dem Schicksalsjahr 2016 zu einem Ende gekommen.

Das heißt nun nicht so sehr, dass es nun wieder um etwas geht, denn so klar umreissen die Autoren den neuen Gegner der liberalen Demokratie nicht. Es handelt sich wohl um die wolkige Anti-Politik, die Ablehnung jeglicher Politik und ihre Verbrämung als elitärem, korruptem „Sumpf“.

Zur vollständigen Rezension: wolfwitte.blog/2022/05/15/alex-hochuli-george-hoare-philip-cunliffe-the-end-of-the-end-of-history-politics-in-the-twenty-first-century/

Sommerhaus, später (German language, 2000) 5 stars

erstaunliche literarische Qualität

5 stars

Der Name Judith Hermanns fiel in den letzten Wochen aufgrund von Poetikvorlesungen, die sie in Frankfurt absolviert hat. Das nahm ich zum Anlass, um nach ein Vierteljahrhundert den Kurzgeschichtenband Sommerhaus, später wieder aus dem Regal zu ziehen.

Seltsamerweise konnte ich mich an einen Teil der Geschichten sehr gut, an die übrigen hingegen überhaupt nicht erinnern. Ebenfalls nicht mehr präsent war mir deren wirklich erstaunliche literarische Qualität, die wirkt ohne anstrengend zu sein.

Zur vollständigen Rezension: wolfwitte.blog/2022/05/19/judith-hermann-sommerhaus-spaeter/

The Ministry for the Future (Paperback, 2021, Orbit) 4 stars

Established in 2025, the purpose of the new organization was simple: To advocate for the …

Ehe es besser wird, wird es schlimmer

3 stars

Kim Stanley Robinson beschreibt in The Ministry for the Future, wie die Menschheit mit dem Klimawandel umgeht. Das Buch ist eine Art fiktionale Dokumentation, die zwischen den sporadischen romanhaften Erzählungen der beiden Protagonisten aus Sitzungsprotokollen, Augenzeugenberichten namensloser Ich-Erzähler und Infodumps zu ökonomischen Konzepten und Glaziologie besteht.

Ehe es besser wird, wird es schlimmer. Und besser nur, wenn dafür harte politische Entscheidungen auf globaler Ebene getroffen werden. Schilderungen, wie die zustande kommen, nehmen großen Raum in dem Buch ein. Das trägt zu seinem immensen Realismus bei, was mir gefallen hat.

Dann allerdings gab es einen wirklich großartigen Schlusspunkt in der Erzählung, bei dem ich überzeugt war, dass nach dem Umblättern ein langer Anhang oder ähnliches beginnen würde. Allerdings geht die Geschichte danach noch sehr sehr lange weiter und wurde eher ermüdend und zäh.

Heart of Darkness 3 stars

Heart of Darkness (1899) is a novella by Polish-English novelist Joseph Conrad about a narrated …

selten: Ein Buch, weniger gut als sein Film

4 stars

Sagenhaft, wie gut der Film im Verhältnis zum Buch ist und wie gut das Buch eigentlich auch ist, aber wenn Kurtz als Schädel mit einem schwarzen Loch anstelle eines Gesichts auf der Leinwand erscheint, dann ist jegliche weitere Filmgeschichte vollkommen irrelevant. Morgen gucke ich „Heart of Darkness“, eine Dokumentation zu „Apocalypse Now“.

Und weil ich den Eindruck habe, dass Jeff vanderMeer’s „Annihilation“ vielleicht auch ein ideller Nachfolger von „Apocalypse of Darkness“ sein könnte, werde ich das auch wieder lesen. Habe ich beim ersten Mal ja auch binnen eines Tages geschafft.

Annihilation (Paperback, 2014, Farrar, Straus and Giroux) 4 stars

Area X has been cut off from the rest of the world for decades. Nature …

Exzessives Schreiben

5 stars

Wie angekündigt habe ich Annihilation schon wieder gelesen (vermutlich zum vierten Mal, zuletzt erst im Dezember), Anlass ist die angekündigte Besprechung des Werks im empfehlenswerten Science Fiction-Podcast Sprawl Radio.

Was mir bei dieser Lektüre auffiel, war der Bezug zum exzessiven, sinnlosen Schreiben. Darauf kam ich, weil ich zur Zeit wieder in so ein Journaling/immer ein Notizbuch dabeihaben-Rabbithole gefallen bin. In Annihilation schreiben immer alle, der Crawler schreibt einen endlosen, alttestamentarischen Sermon auf die TunnelTurmwand, die Notizbücher der Expeditionen vergammeln in mannshohen Haufen, zugleich lesen wir den Report der Biologin. Das passt dann vielleicht auch irgendwie zu dem exzessiven Schreiben Richard Seymours in The Twittering Machine.