Bertolt_Bricht reviewed Aus unseren Feuern by Domenico Müllensiefen
Ost Ost Ostdeutschland
5 stars
Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen:
Einmal im Leipzig im Jahr 2014. Der Ich-Erzähler Heiko arbeitet als Bestatter und wird mit seinem Kollegen zu einem Autounfall gerufen. Dort angekommen stellt er fest, dass sein Jugendfreund Thomas in Heikos alten Wagen verunglückt ist. Daraufhin erinnert er sich an die Zeit zwischen 1999 und 2006 - das Jahr in dem er Thomas das letzte Mal sah - zurück.
In der Jugendzeit erinnert sich Heiko an die Freundschaft mit Thomas und Karsten. Die Drei sind Kinder ihrer Zeit im Leipzig, dass nach der Wende zunächst wirtschaftlich stark zu leiden hatte und von ihrer Jugend an einer perspektivlosen Lethargie ausgeliefert waren. Thomas soll den Laden seines Vaters übernehmen und ist sehr cholerisch veranlagt. Karsten möchte ständig Dinge in die Luft jagen und baut Bomben. Trotz ihrer Fehler schafft es der Autor Domenico Müllensiefen die Geschichte zu erzählen, ohne sich über die Drei lustig zu …
Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen:
Einmal im Leipzig im Jahr 2014. Der Ich-Erzähler Heiko arbeitet als Bestatter und wird mit seinem Kollegen zu einem Autounfall gerufen. Dort angekommen stellt er fest, dass sein Jugendfreund Thomas in Heikos alten Wagen verunglückt ist. Daraufhin erinnert er sich an die Zeit zwischen 1999 und 2006 - das Jahr in dem er Thomas das letzte Mal sah - zurück.
In der Jugendzeit erinnert sich Heiko an die Freundschaft mit Thomas und Karsten. Die Drei sind Kinder ihrer Zeit im Leipzig, dass nach der Wende zunächst wirtschaftlich stark zu leiden hatte und von ihrer Jugend an einer perspektivlosen Lethargie ausgeliefert waren. Thomas soll den Laden seines Vaters übernehmen und ist sehr cholerisch veranlagt. Karsten möchte ständig Dinge in die Luft jagen und baut Bomben. Trotz ihrer Fehler schafft es der Autor Domenico Müllensiefen die Geschichte zu erzählen, ohne sich über die Drei lustig zu machen.
Dennoch hat der Roman sehr viel Witz. Die Charaktere haben oftmals etwas sehr derbes und überzeichnetes an sich. Sei es Heikos Chef im Jahr 2014, der mit einer beispiellosen Dreistigkeit am Tod anderer Menschen so viel Profit wie möglich rausschlagen möchte und eine neoliberale Ansprache nach der anderen an seine Mitarbeiter Heiko und Raik hält. Vergleiche zur Treuhand tun sich auf. Auf der anderen Seite ist Thomas Vater, der eine Wurstfachgeschäft betreibt und ein Choleriker vor dem Herrn ist. Trotz dieser Derbheit und Überzeichnung werden die Figuren keine Karikaturen.
Hier ein Beispiel für den Humor des Buches:
"Ach? Die alte Heimat. Bin original aus Leutzsch. Und du?" "Holzhausen" "Nicht schlecht, nicht schlecht. Was führt dich nach Heidelberg? Bei wem arbeitest du? Bei Eppenbach? Der stellt doch gerade ein." "Nee, ich komme direkt aus Leipzig. Überführung." Sein Gesicht wurde hart: "So eine Scheiße musste ich früher auch machen. Nie wieder." "Och, ist ganz okay" "Ist es nicht. Komm mit rüber. Man verdient viel mehr und vollbringt jeden Tag ein gutes Werk." "Was denn?" "Man bringt jeden Tag einen Wessi unter die Erde. Jeden Tag kannst du dir einen holen. Jeden Tag."
Gegen Ende hin wird das Buch zum Teil etwas ernster und nachdenklicher. Müllensiefen ist ein unfassbar guter Debütroman gelungen.