Peter73 reviewed Das Blut der Anderen by Simone de Beauvoir
Zwischen Verantwortung und Opfer – Mein Nachklang zu Simone de Beauvoirs Das Blut der Anderen
4 stars
Das Blut der Anderen von Simone de Beauvoir zu lesen, war für mich wie ein langsames Hinabsteigen in die moralischen Abgründe der Kriegszeit. Der Roman spielt im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs und erzählt von Jean Blomart, einem Mann, der zwischen persönlicher Verantwortung und politischem Engagement hin- und hergerissen ist.
Was mich sofort ergriffen hat, war die Frage, die sich wie ein roter Faden durch den Text zieht: Inwieweit darf man das Leben anderer für eine höhere Sache riskieren? De Beauvoir macht diese Frage nicht theoretisch, sondern konkret, indem sie Jean und seine Geliebte Hélène in Situationen stellt, in denen jede Entscheidung Schuld nach sich zieht. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, selbst in dieser Zwickmühle zu stehen – egal, wie man handelt, man trägt das Blut der anderen mit sich.
Mich beeindruckte besonders, wie intensiv die Autorin das Spannungsverhältnis zwischen individueller Freiheit und kollektiver Verantwortung herausarbeitet. Die Sprache …
Das Blut der Anderen von Simone de Beauvoir zu lesen, war für mich wie ein langsames Hinabsteigen in die moralischen Abgründe der Kriegszeit. Der Roman spielt im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs und erzählt von Jean Blomart, einem Mann, der zwischen persönlicher Verantwortung und politischem Engagement hin- und hergerissen ist.
Was mich sofort ergriffen hat, war die Frage, die sich wie ein roter Faden durch den Text zieht: Inwieweit darf man das Leben anderer für eine höhere Sache riskieren? De Beauvoir macht diese Frage nicht theoretisch, sondern konkret, indem sie Jean und seine Geliebte Hélène in Situationen stellt, in denen jede Entscheidung Schuld nach sich zieht. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, selbst in dieser Zwickmühle zu stehen – egal, wie man handelt, man trägt das Blut der anderen mit sich.
Mich beeindruckte besonders, wie intensiv die Autorin das Spannungsverhältnis zwischen individueller Freiheit und kollektiver Verantwortung herausarbeitet. Die Sprache ist klar, fast kühl, aber darunter spürt man eine unaufhörliche Glut, ein Drängen, das nicht nachlässt.
Das Blut der Anderen war für mich keine einfache Lektüre, sondern eine Konfrontation. Es ließ mich über die Grenzen meines eigenen moralischen Handelns nachdenken und darüber, wie schwer es ist, „richtig“ zu handeln, wenn jede Wahl Opfer fordert. Ein Roman, der nicht tröstet, aber aufrüttelt – und genau darin liegt seine Stärke.