Der Kater und ich sind seit Jahren begeisterte Fans, sowohl von den Dire Straits als auch von Mark Knopflers Solo-Alben.
Zufällig spülte uns eines Tages ein Werbe-Newsletter einen Hinweis auf die Autobiographie von John Illsley ins Postfach.
Illsley war (oder ist, denn die Band wurde formal nie aufgelöst) Bassist und Gründungsmitglied der Dire Straits und neben Mark Knopfler das einzige Band-Mitglied, das von Anfang bis "Ende" dabei war.
In seiner Autobiographie erzählt John Illsley zuerst von seiner Kindheit, seinem Elternhaus, dem Aufwachsen im "Niemandsland" von Middle England, den ersten musikalischen Gehversuchen als Teenie, wie er zufällig zum Bassist wurde und schließlich in einer Council Flat - wieder zufällig - David Knopfler, Marks Bruder, zum Flatmate bekam.
Von da an rekapituliert er ausschweifend, auch durchaus mit viel Selbstkritik und Humor, die Bandgeschichte, aber auch die Auswirkungen des Tourens aufs private Leben, auf die eigene Entwicklung, auf die Entwicklungen von Freundschaften ...
Zentrales Thema ist dabei natürlich die Band. Ein großes Stück der Geschichte nehmen Berichte von Touren und einzelnen Konzerten ein, von zufälligen Begegnungen (etwa mit Bob Dylan auf einer After-Party) - vielleicht etwas zu viel, denn die Touren werden von Illsley oft sehr minutiös nachgezeichnet. Wenn man dann über die 6. Welt-Tournee liest, ist das etwas ermüdend.
Viele Geschichten kennt man bereits (etwa wie Sting zu Money for Nothing stieß oder woher die Inspiration zu Telegraph Road kam), andere weniger (etwa wie Richard Branson versuchte, die Dire Straits unter Vertrag zu bekommen, oder wie die Mafia bei der Italien-Tournee mitmischte). Insgesamt ein sehr spannender Einblick in die Band-Geschichte von einem Mann, der sich als Bassist selbst im "engine room of the band" verortet.
Illsley ist aber, und das muss man ihm zugute halten, kein Schmutzwäsche-Hervorkramer. Private Details bleiben privat, mehr als ein "My marriage was in trouble" kriegt man nicht - braucht man auch nicht, denn der Punkt, dass das Touren dem Privatleben zu viel abverlangt hat, wird auch so gemacht.
Ebenso liest man bei ihm nichts von Eskapaden oder Streitigkeiten der Band, im Gegenteil, alle je beteiligten Musiker werden von ihm aufs Wärmste gepriesen, und man merkt, dass Illsley nichts als Respekt für Kollegen empfindet und sich des großen Zufalls, der zu einer Karriere immer beiträgt, sehr dankbar bewusst ist.