schreiblehrling reviewed Ein ganzes Leben by Robert Seethaler
None
4 stars
Von Robert Seethaler habe ich erst im Januar „Das Café ohne Namen“ beendet. „Ein ganzes Leben“ las sich haargenau so wie das andere Buch: wir begleiten die Hauptfigur bei dem, was sie so erlebt.
In diesem Fall geht es um die Lebensgeschichte eines Mannes in einem Bergdörfchen – vom Aufwachsen bei mehr oder weniger fremden Menschen, über die große Liebe, den zweiten Weltkrieg, das Leben danach und das Altern bis hin zum Ableben. Und all das auf kurzen 160 Seiten!
Seethaler schafft es auf angenehme Art und Weise
• erstens, dass ich als Leser wie neben dem Protagonisten stehe und ihm dabei zusehe, wie er durchs Leben geht, weil das Buch sehr nah an der Person geschrieben ist (und das ohne Ich-Perspektive!)
• zweitens, dass aber auch der Protagonist selbst scheinbar passiv zuschaut, wie ihm diese Dinge passieren. Er trifft selbst Entscheidungen, so ist es nicht, aber das Leben, das …
Von Robert Seethaler habe ich erst im Januar „Das Café ohne Namen“ beendet. „Ein ganzes Leben“ las sich haargenau so wie das andere Buch: wir begleiten die Hauptfigur bei dem, was sie so erlebt.
In diesem Fall geht es um die Lebensgeschichte eines Mannes in einem Bergdörfchen – vom Aufwachsen bei mehr oder weniger fremden Menschen, über die große Liebe, den zweiten Weltkrieg, das Leben danach und das Altern bis hin zum Ableben. Und all das auf kurzen 160 Seiten!
Seethaler schafft es auf angenehme Art und Weise
• erstens, dass ich als Leser wie neben dem Protagonisten stehe und ihm dabei zusehe, wie er durchs Leben geht, weil das Buch sehr nah an der Person geschrieben ist (und das ohne Ich-Perspektive!)
• zweitens, dass aber auch der Protagonist selbst scheinbar passiv zuschaut, wie ihm diese Dinge passieren. Er trifft selbst Entscheidungen, so ist es nicht, aber das Leben, das ihm widerfährt, läuft eher wie ein Film vor ihm ab als dass er selbst es erlebt
• drittens, dass auch im Grunde tragische Situationen zwar sehr deutlich und ohne Auslassungen beschrieben werden, aber dennoch ohne Grausamkeit, Grusel oder Ekel.
Dennoch fehlen dem Buch keineswegs die Emotionen, im Gegenteil. Der Protagonist ist häufig allein und manchmal auch einsam, mag das aber gern und es wird auch klar, wie er Menschen oft nicht versteht oder von ihnen und ihrem Geplapper genervt ist. Er mag die Ruhe und Einsamkeit, er braucht sie. Und er braucht sein Dorf. Ist er zu weit davon entfernt, geht es ihm nicht gut.
Dieses zweite Buch habe ich ebenso gern gelesen wie das erste. Seethaler hat eine sehr angenehme Art zu schreiben, finde ich. Sehr ruhig und klar, ohne überschwängliche Kracher und trotzdem mit Höhen und Tiefen.