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Kim

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Kim's books

Kate Tempest: Worauf du dich verlassen kannst (Hardcover, 2016, Rowohlt Taschenbuch) 4 stars

Review of 'Worauf du dich verlassen kannst' on 'Goodreads'

4 stars

Die ersten hundert Seiten sind eine Wucht. Danach konventioneller – aber nicht konventionell. Zwischendurch etwas ausschweifend, Biografien werden ausgelotet, aber am Ende kommen die Fäden zusammen.

Die Bildsprache ist ein Hammer. Oder eher: ein Bierglas, das quer durchs Pub fliegt – und trifft. Kae Tempest skizziert Momente mit einer grandiosen Schärfe. Wie Menschen einander sehen, was in ihnen vorgeht, wie es zwischen ihnen klickt oder nicht. Das funktioniert auch in der Übersetzung, was wohl nicht trivial war.

Viele Bilder zeichnen ein Bild – von Südost-London, von unserer Zeit, menschlichen Bedürfnissen und den Bedingungen, unter denen sie sich artikulieren. Rausch (zwischenmenschlich und substanzinduziert), Geld, Gewalt, offene Wunden, Entfremdung… Aber auch: Liebe, Hoffnung, Freundschaft, Verbundenheit.

Jonas Lüscher: Kraft (German language, 2017, C.H.Beck) 3 stars

Review of 'Kraft' on 'Goodreads'

4 stars

Da ist einerseits das Silicon Valley ("warum alles, was ist, gut ist, und wie wir es dennoch verbessern können"), andererseit der Neoliberalismus und dessen Inkarnation Richard Kraft (Richard < richi 'mächtig' + hard 'stark').

Zwei Narrative, die beide übelst vorgeführt werden. Meiner Meinung gelingt das auch. Die Bewertung mag allerdings von eigenen Positionen abhängen – Die Welt und die NZZ finden es (Überraschung!) billig.

Billig trifft und trifft nicht. Der Stil ist rasant, manchmal seltsam unentschieden zwischen plump und intellektuell. Abschnittweise sind sowohl Geschichte als auch Form gar konstruiert: manches ist arg meta (der Erzähler, der uns an der Hand nimmt) oder sehr dick aufgetragen (und plötzlich steht er nackt da), aber Lüscher meistert's meistens. Pathos gibt spöttelnder Ironie die Hand – sehr schön.

Weniger schön der manchmal etwas belehrend-besserwisserische Gestus. Ein Abgesang ist eine delikate Sache, denn zu viele Argumente wirken verbissen, zu viel Spott und Nachtreten unehrenhaft. So …

Philip Roth: Der menschliche Makel (German language, 2003, Rowohlt) 4 stars

Original: The Human Stain

Review of 'Der menschliche Makel' on 'Goodreads'

5 stars

Am Anfang fand ich das Buch zäh, kam nicht leicht rein, auch später kam es mir manchmal etwas in die Länge gezogen vor.

Aber irgendwann hatte mich die Geschichte. Weil es um Leben (Plural) geht, mit allem was dazugehört: Identität, Familie, Tod; me myself and I, die Zweierkiste, die Gesellschaft; Macht und Ohnmacht, Denken und Fühlen, Zivilisation und Animalität. Das Ganze auch auf der Ebene Gesellschaft: Doppelmoral, Politik, Skandalisierung, Milieus, Konflikte.

Und immer wieder Ambiguität: Opfer und Täter, dumm und schlau, Identität und Zuschreibung. Was ist – was andere sehen. Wie das Leben ist – wie Leben sein könnten. Eine Perspektive gegen eine andere. Dazwischen riesige Lücken, die aber immer wieder überwunden werden. Und wie wir mit den Symbolen jonglieren, uns etwas zusammenkonstruieren, Geschichten erfinden, Leben erzählen.

Postmodern aber handfest. Fand ich gut.

Nicht ganz klar ist mir, wie die Kritik an politischer Korrektheit gemeint ist. Ich lese es als …

Haruki Murakami: Colorless Tsukuru Tazaki And His Years Of Pilgrimage A Novel (2014, Knopf) 4 stars

Review of 'Colorless Tsukuru Tazaki And His Years Of Pilgrimage A Novel' on 'Goodreads'

2 stars

Ist ziemlich einfach zu lesen. Nicht langweilig, aber mir fehlt es ein bisschen an Substanz. Ich habe mich gefragt, ob dieser Eindruck durch die Übersetzung bedingt ist, ob es andere Konventionen im Japanischen gibt, ob da Triviales weniger trivial klingt?

Die Handlung 'verhebet', aber wie es zu einer Geschichte verknüpft wird, finde ich ein bisschen platt. Nomen est omen – okay, klar. Aber In jedem zweiten Abschnitt den Protagonisten über Farblosigkeit nachdenken lassen, das dann noch in einem Traum rückwärts spiegeln und am nächsten Tag in einem Gespräch nochmals einbauen, najaaa...

Mein Eso-Allergie-Meter, zugegeben sehr sensibel, ist ein paar Mal angesprungen. Diese schönen Geschichten, die im Nachhinein gesponnen werden, indem sich alles irgendwie bedingt – ist das nicht einfach übersinnlicher Gugus? Was der einen widerfährt und was der andere träumt, hat ja nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.

Zwei Figuren, die Probleme mit ihrer Homosexualität haben, finde ich eher viel. …

Benedict Wells: Becks letzter Sommer (2008, Diogenes Verlag AG) 2 stars

Review of 'Becks letzter Sommer' on 'Goodreads'

2 stars

Das Buch hat mich genervt. Irgendwie hölzern.
Es will tiefsinnig, lustig und cool sein. Das funktioniert leider nur teilweise.
Das Tiefsinnige gleitet öfter in Binsenweisheiten ab. Insbesondere nervig fand ich die schön beobachteten Passagen, die ins Nichtssagende abgleiten.
Das können auch die postmodernen Ingredienzen (Zeitsprünge, "5 Situationen mit", Einschreibung des Autors) nicht ausbügeln. Und die Musik. Und die Drogen. Und das Roadmovie. Und der Hund mit dem komischen Namen.
Es wird thematisch gross angerichtet: unser privilegiertes Leben, Beziehungen, was machen wir hier eigentlich – aber es passiert einfach nichts Interessantes damit. Die Philosophie scheint mir etwas zwischen abgegriffen ("folg deinem Herz") und konventionell ("mach was aus dir"). Ein Coming-Of-Age, das im Ungefähren endet.