Peter73 reviewed Sula (Uniform Collected Editions) by Toni Morrison
Freundschaft, Schuld, Echo: Mein Blick auf Toni Morrisons Sula
5 stars
Ich lese Toni Morrisons Sula als Chronik einer Freundschaft, die eine ganze Gemeinde spiegelt. Im „Bottom“, einem schwarzen Viertel oberhalb von Medallion, wachsen Sula Peace und Nel Wright nebeneinander auf: Nel sucht Ordnung, Sula sucht Freiheit. Früh ahne ich, dass beide Haltungen einander brauchen und verletzen.
Ein Unglück am Fluss – der Tod des Jungen Chicken Little – brennt sich mir ein. Das Schweigen darüber wird zum unsichtbaren Faden, der Jahre später reißt. Sula verlässt den Ort, kehrt 1927 zurück und trägt einen Blick, der keine Entschuldigung führt. Mit ihr kommen Zeichen und Misstöne: ein Amselschwarm, altes Gerede, die Angst der Nachbarn. Als Sula mit Nels Mann Jude schläft, bricht die zarte Balance. Die Gemeinde formiert sich gegen Sula und findet paradoxerweise gerade dadurch Halt.
Mich bewegt, wie Toni Morrison Verantwortung verteilt: auf Familien, auf eine Stadt, auf Geschichte. Eva, die Großmutter mit dem amputierten Bein, Hannah, die …
Ich lese Toni Morrisons Sula als Chronik einer Freundschaft, die eine ganze Gemeinde spiegelt. Im „Bottom“, einem schwarzen Viertel oberhalb von Medallion, wachsen Sula Peace und Nel Wright nebeneinander auf: Nel sucht Ordnung, Sula sucht Freiheit. Früh ahne ich, dass beide Haltungen einander brauchen und verletzen.
Ein Unglück am Fluss – der Tod des Jungen Chicken Little – brennt sich mir ein. Das Schweigen darüber wird zum unsichtbaren Faden, der Jahre später reißt. Sula verlässt den Ort, kehrt 1927 zurück und trägt einen Blick, der keine Entschuldigung führt. Mit ihr kommen Zeichen und Misstöne: ein Amselschwarm, altes Gerede, die Angst der Nachbarn. Als Sula mit Nels Mann Jude schläft, bricht die zarte Balance. Die Gemeinde formiert sich gegen Sula und findet paradoxerweise gerade dadurch Halt.
Mich bewegt, wie Toni Morrison Verantwortung verteilt: auf Familien, auf eine Stadt, auf Geschichte. Eva, die Großmutter mit dem amputierten Bein, Hannah, die im Feuer stirbt, und Shadrack, der den „National Suicide Day“ ausruft – alle tragen Teilwahrheiten über Schmerz und Überleben. Sulas Tod kommt unspektakulär, doch ihr Nachhall bleibt. Jahre später steht Nel vor Evas Worten und ihrem eigenen Versäumnis; da spüre ich, dass Trauer nicht nur um verlorene Liebe kreist, sondern um das ungenutzte Wir.
Morrisons Sprache bleibt dicht, musikalisch, präzise. Sie urteilt nicht; sie zeigt. Für mich ist Sula ein leises, scharfes Buch über Wahl und Konsequenz – und darüber, dass eine Freundschaft eine ganze Welt bedeuten kann, wenn wir sie rechtzeitig hören.