Peter73 reviewed The Pearl (Steinbeck "Essentials") by Steinbeck
Perle, Preis, Verlust: Mein Blick auf Steinbecks Die Perle
5 stars
Ich lese John Steinbecks „Die Perle“ als biblisch klare Parabel über Hoffnung und ihren Preis. In einer armen Fischersiedlung werden Kino, Juana und ihr Baby Coyotito von einem winzigen Stich ins Drama gestoßen: ein Skorpion, ein Arzt, der die Tür verschließt, weil Armut nicht zahlt. Als Kino in der Lagune die „Perle der Welt“ findet, spüre ich zunächst einen hellen Ruck nach vorn. Träume treten hervor, als wären sie lange unter Wasser gehalten worden: Schule für Coyotito, eine richtige Hochzeit, ein Gewehr, ein Leben mit Namen.
Doch die Perle beginnt, Blicke zu sammeln. Händler spielen ein abgesprochenes Spiel, Nachbarn flüstern, Fremde schleichen nachts. Der Arzt kehrt zurück, plötzlich dienstbereit, und doch bleibt seine Hand kalt. In Kinos innerem Chor aus Liedern mischt sich das „Lied des Bösen“ unter das „Lied der Familie“. Ich merke, wie Besitz die Zeit vergiftet: Das Haus brennt, das Kanu wird zerstört, die Familie flieht …
Ich lese John Steinbecks „Die Perle“ als biblisch klare Parabel über Hoffnung und ihren Preis. In einer armen Fischersiedlung werden Kino, Juana und ihr Baby Coyotito von einem winzigen Stich ins Drama gestoßen: ein Skorpion, ein Arzt, der die Tür verschließt, weil Armut nicht zahlt. Als Kino in der Lagune die „Perle der Welt“ findet, spüre ich zunächst einen hellen Ruck nach vorn. Träume treten hervor, als wären sie lange unter Wasser gehalten worden: Schule für Coyotito, eine richtige Hochzeit, ein Gewehr, ein Leben mit Namen.
Doch die Perle beginnt, Blicke zu sammeln. Händler spielen ein abgesprochenes Spiel, Nachbarn flüstern, Fremde schleichen nachts. Der Arzt kehrt zurück, plötzlich dienstbereit, und doch bleibt seine Hand kalt. In Kinos innerem Chor aus Liedern mischt sich das „Lied des Bösen“ unter das „Lied der Familie“. Ich merke, wie Besitz die Zeit vergiftet: Das Haus brennt, das Kanu wird zerstört, die Familie flieht in die Berge. Dort, zwischen Felsen und Staub, jagt sie eine Gruppe Verfolger. Ein Schuss zerreißt die Nacht. Coyotitos Weinen verstummt, und mit ihm die kurze Zukunft, die diese Perle versprochen hatte.
Der Rückweg ins Dorf ist still. Kino und Juana tragen nicht nur ein totes Kind, sie tragen die Erkenntnis, dass ein glänzender Stein nichts heilt. Als Kino die Perle ins Meer zurückwirft, sehe ich, wie das Licht auf ihrer Oberfläche bricht und sich verliert. Steinbecks Sprache bleibt schlicht, seine Bilder sind hart und klar. Ich lege das Buch mit Trauer weg, aber auch mit einer nüchternen Helligkeit: Reichtum ohne Gerechtigkeit zerstört, und ein Traum, der nur sich selbst liebt, wird zum Fluch. Diese kleine Geschichte hat mich groß geprüft.